Es war ein Crowdfunding-Projekt des frühen 19. Jahrhunderts: 34 Bürger schlossen sich am 14. November 1823 zusammen und gründeten den Kunstverein in Bremen. In einer Stadt ohne öffentliche Kunstsammlung war der Kunstverein ein Produkt des bürgerlichen Engagements. Binnen einer Generation verankerte sich der kleine Verein durch sein Sammeln, seine Ausstellungen und Verlosungen fest in der Stadtgesellschaft. Die Ausstellung „Kunst Vereint! Die frühen Jahre der Sammlung“ blickt auf die Zeit von der Gründung des Vereins 1823 bis zum Bau der Kunsthalle 1849, deren privater Träger er bis heute ist: Mit rund 70 Exponaten veranschaulicht sie die Entwicklung von der Idee bis zur Institution und gibt Einblick in den bürgerlichen Geschmack des frühen 19. Jahrhunderts wie über die Kontinuitäten und Brüche in 200 Jahren Kunstverein in Bremen.
Halbschattenkabinett mit Anna Haifisch, Christian Orendt, Tanja Ritterbex, Sebastian Tröger, Steve Viezens, Marie Vermont
Als „Halbschattenkabinett“ stellen sich hier 6 Künstler*innen auf, die in der Galerie Kramer Arbeiten auf Papier zeigen. Eingeladen von den Künstlern Christian Orendt und Sebastian Tröger bringen sie das innovative und anregende Potenzial ihrer künstlerischen Arbeiten selbstbewusst ein in die Diskurse über Zustand der Gesellschaft und die Zukunft der Erde. In Zeichnungen, Drucken und Aquarellen zeigen sie einen kritischen, humorvollen und manchmal melancholischen Blick auf die Welt.
Anna Haifisch
Anna Haifisch ist eine Zeichnerin und Illustratorin aus Leipzig, die comic-ähnliche Alltagshelden zu Wort kommen lässt. Durch pointiert gesetzten Text ergibt sich der Inhalt einer „Geschichte“. Ihre Tier- und Menschen-Figuren sind meistens dünn von Statur und mit einfachen Umrisslinien gezeichnet. Wie ein Hauch im Wind kommentieren sie melancholisch ihr Verzweifeln an der Welt und ihren alltäglichen Widrigkeiten. Ihre Reflexionen, Hoffnungen und Wünsche sind manchmal erstaunlich lapidar und doch tiefgründig.
Christian Orendt
Der in Berlin lebende Zeichner und Installationskünstler Christian Orendt befasst sich in feinen Zeichnungen und ironischen, winzig klein geschrieben Texten mit dem Denken des Menschen und seiner daraus resultierenden grundlosen Überheblichkeit. Er kombiniert oft gehörte Formulierungen und umgangssprachliche Redewendungen mit absurden Bildern, ein schlichtes Denken mit einem hohen, teilweise hochtrabenden Ton. Die überraschenden Bildpointen, die so entstehen, holen die Absurdität mancher alltäglichen Situationen und Denkweisen ins Bewusstsein.
Tanja Ritterbex
Die niederländische Malerin und Performerin Tanja Ritterbex dekonstruiert in ihren Bildern und Performances vielfach die Erwartungen und Vorstellungen, die mit der Rolle der Frau verbunden sind. In spontan wirkenden, opulenten Tableaus mit pastosem Farbauftrag feiert sie ein anderes Frauenbild. Sie macht den Spagat zwischen den unterschiedlichen Rollenerwartungen an Frauen deutlich. In der Ausstellung zeigt sie 50 Arbeiten aus einer Reihe von projektierten 365 farbigen Zeichnungen von Müttern und ihren Kindern. Durch die Wahl ihrer künstlerischen Mittel und die verwendeten Stilrichtungen lässt sie sehr fein die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Beziehungen hervortreten.
Sebastian Tröger
Der Künstler aus Nürnberg hat stets das große Ganze im Blick. „Am Hebel der Welt“ war der Titel seiner vergangenen Ausstellung im neuen Museum Nürnberg. Sein kritischer Blick auf die Gegenwart findet immer vor dem Hintergrund einer ironischen Auseinandersetzung mit der Rolle von Kunst in der Gegenwart und der Kulturgeschichte statt. In seinen spontan wirkenden Malereien und Zeichnungen tauchen kunsthistorische Bezüge humorvoll in den Titeln auf.
Steve Viezens
Der Maler, der in Leipzig studiert hat, beherrscht die moderne und die altmeisterliche Form. In Malerei und Drucken kombiniert er alte und neue Realitäten zu spannungsvollen Kompositionen. Dabei lässt er Leerstellen oder übermalt mit modernen Attributen, wo es für die altmeisterlichen Kunst gerade wesentlich war. In der Ausstellung zeigt er u.a. feingearbeitete Linolschnitte, auf denen eine historische Landschaft durch große Farbkleckse gestört wird. Die Störungen haben Vorrang bei seinem künstlerischen Blick auf die Welt.
Marie Vermont
Aus Wien kommt die Künstlerin Marie Vermont dazu. Sie beschäftigt sich einer Reihe von farbigen Aquarellen mit dem etwas aus der Mode gekommenen Begriff der Allmende als Form von Gemeinschaftseigentum. Als heutige öffentliche Orten, die auch eine dort lebende Flora und Fauna einschließen, hat sie Brachflächen und verlassene Plätze ausgemacht. Die dienen jedoch nicht nur Tieren und Pflanzen als Lebensraum, sondern werden oft auch noch als Abfallhalde genutzt. Solche „Un-Orte“ porträtiert die Künstlerin auf ihren Aquarellen so vielgestaltig und in einer so harmonischen Farbigkeit, dass man eher an paradiesische Gärten denkt und nicht an ein Nebeneinander von Füchsen und Bauschutt, Igeln und alten Plastikplanen und Mückenlarven in alten Autoreifen.
VEGA – Verein für erzählerische Geschichtsaufarbeitung
Im Rahmen der Ausstellung „Kunst Vereint! Die frühen Jahre der Sammlung“ entsteht im Alten Studiensaal ein Projekt, das zwischen formaler Bürokratie und freiem Spiel changiert: Der Verein VEGA wird gegründet (Verein für erzählerische Geschichtsaufarbeitung). Die Gründer und bislang einzigen Mitglieder sind die Künstler Samuel Nyholm (*1973 Lund, Schweden) und Olav Westphalen (*1963, Hamburg).
VEGA betreibt eine freie, zeichnerische Aufarbeitung von Werken aus der Sammlung des Kupferstichkabinetts. Zu sehen sind unter anderem Papierarbeiten von Francisco de Goya, Edvard Munch, Henri de Toulouse-Lautrec und Nan Goldin.
Tobias Heine und Lisa Wilkens – Willkommen in DIGITI
Tobias Heine und Lisa Wilkens
Willkommen in DIGITI
Präsentation am Montag, 24. April 2023 um 19 Uhr
Öffnungszeit am Dienstag, 25. April 2023 von 11 bis 17 Uhr
Lisa Wilkens (Berlin) und Tobias Heine (Leipzig) haben über 2 Jahre im künstlerischen Austausch zum Thema “Digitalität der Zeichnung” gearbeitet. Die daraus entstandene Mappen Edition „DIGITI“ mit transparenten Digitaldrucken, Risografien, Spiritusdrucken und originalen Zeichnungen und Gravuren stellen sie nun in der Galerie Mitte in Bremen vor.
Die Zeichnerin Paula Modersohn-Becker
Mehr als 1400 Zeichnungen sind von Paula Modersohn-Becker erhalten. Ein Großteil dieses eindrucksvollen Bestands ist kaum bekannt – bis jetzt.
Nicht nur wegen ihrer großen Anzahl lohnt es, sich mit den Zeichnungen von Paula Modersohn-Becker zu beschäftigen. Auch inhaltlich bietet die Ausstellung im Paula Modersohn-Becker Museum neue Perspektiven und unbekannte Einblicke in die Gedankenwelt der Künstlerin. Das Zeichnen war entscheidend bei der Entwicklung ihrer einzigartigen, modernen Bildsprache.
120 Zeichnungen in der Präsentation „Die Zeichnerin Paula Modersohn-Becker“ decken die gesamte künstlerische Schaffenszeit der Künstlerin ab, beginnend bei den frühen Studien- und Aktzeichnungen aus den Akademien in London und Berlin, über experimentelle Skizzen des Pariser Stadtlebens hin zu konkreten Vorarbeiten zu Gemälden wie der „Liegenden Mutter mit Kind II“ (1906).
Leihgaben aus musealen und privaten Sammlungen sowie von der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung füllen alle Räumlichkeiten des Museums. Einige von ihnen waren seit Jahrzehnten oder sogar noch nie öffentlich zu sehen – und kehren nach Ende dieser Ausstellung zurück in ihre Schubladen. Denn Papier ist empfindlich, zuviel Licht schadet den fragilen Kunstwerken.
Maßgeblich entscheidend bei diesem Projekt waren die Recherchen und Forschungen für das Werkverzeichnis der Zeichnungen, das nach jahrzehntelanger, akribischer Arbeit der Paula Modersohn-Becker Stiftung parallel zur Ausstellung erscheinen wird.
- Paula Modersohn-Becker, Kapuzenkind mit Hund, Worpswede 1902, Kohle auf blauem Papier, Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen
- Paula Modersohn-Becker, Auf Stuhl sitzender weiblicher Akt, Worpswede 1898/99, Kohle, Große Kunstschau, Worpswede
- Paula Modersohn-Becker, Alte Frau im Profil nach rechts, einen Stock haltend, Worpswede 1898/99, Kohle, Privatbesitz
- Paula Modersohn-Becker, Männer, Frauen und Kinder zwischen Bäumen, 1905, Kohle, Privatbesitz
Die Maler des Heiligen Herzens
André Bauchant, Camille Bombois, Séraphine Louis, Henri Rousseau und Louis Vivin sind vier Maler und eine Malerin, die keine künstlerische Ausbildung absolviert haben und sich dennoch in der Pariser Kunstszene im frühen 20. Jahrhundert durchsetzen konnten. Maßgeblich entscheidend für ihren Erfolg war der Kontakt zum deutschen Kunsthändler Wilhelm Uhde und dessen Ausstellung „Die Maler des Heiligen Herzens“ im Jahr 1928. Darin vereinte er die stilistisch und motivisch grundverschiedenen Kunstwerke der Autodidakten. Neben den individuellen Maltechniken, beispiellosen Bildsprachen und der Unberührtheit vom theorielastigen Kunstdiskurs, schätzte er an ihren Arbeiten eine besondere Nahbarkeit und Zugänglichkeit, die er bei akademisch geschulten Künstlerinnen und Künstlern oft vermisste.
Die Museen Böttcherstraße feiern ab 3. Dezember 2022 die Wiedervereinigung der „Maler des Heiligen Herzens“ in einer großen Sonderausstellung. Die Kunstwerke erfrischen noch heute die Sehgewohnheiten mit intensiven Farben, ungewöhnlichen Kompositionen und motivischen Neuinterpretationen. André Bauchant, Camille Bombois, Séraphine Louis und Louis Vivin sind der Beleg dafür, dass es noch weitere autodidaktische Künstlerinnen und Künstler in der Moderne neben Henri Rousseau gab, die es wert sind, aus der Vergessenheit geholt und wieder gesehen zu werden.
Eine Ausstellung der Museen Böttcherstraße in Zusammenarbeit mit dem Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Die Ausstellung basiert auf der Sammlung Charlotte Zander (1930-2014), die Kunst jenseits des systematisierten Kunstkanons in großer Fülle und überaus souverän sammelte.
Das Projekt steht in einer Reihe von Präsentationen im Paula Modersohn-Becker Museum, die sich mit vernachlässigten künstlerischen Positionen jenseits des Kanons beschäftigen und neue Blicke auf die Moderne werf
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